Die Frau, die dem Huldufólk half
Es war einmal eine Frau, die auf einem kleinen Hof lebte, in einer Gegend mit schmalen Heimwiesen und steilen Hängen. Sie hieß Þóra. Sie war weder reich noch angesehen, doch sie war dafür bekannt, niemandem Hilfe zu verweigern, selbst wenn sie selbst wenig hatte.
An Winterabenden, wenn der Nordwind durchs Tal zog und der Schnee die Spuren der Menschen sogleich wieder füllte, saß Þóra am Feuer und spann Wolle. Sie hatte einen Sohn, jung und schwächlich, und ein altes Mutterschaf, das ihnen in guten Jahren Milch gab. Es war nicht viel, aber sie kamen zurecht.
Eines Nachts, als alle Höfe in der Gegend verschlossen waren und niemand ohne Grund hinausging, klopfte es an der Tür.
Þóra legte die Spindel beiseite und lauschte. Es klopfte erneut, behutsam, nicht wie jemand, der Einlass fordert, sondern wie jemand, der um Gnade bittet.
Sie öffnete.
Draußen stand ein Mann in einem grauen Umhang. Er war bleich, mit dunklen Augen und Schnee im Haar, doch der Schnee schien auf ihm nicht zu schmelzen. Er neigte den Kopf.
„Gute Frau", sagte er. „Meine Frau liegt krank. Unser Kind kommt heute Nacht, und keine Hilfe ist in der Nähe. Willst du mit mir kommen?"
Þóra blickte in die Dunkelheit hinaus. Das Wetter war schlecht, der Weg ungewiss.
„Wo wohnst du?", fragte sie.
Der Mann deutete den Hang hinauf, wo nur Felsen und Schneewehen waren.
Þóra verstand, dass dies kein gewöhnlicher Mann war.
Ihr Sohn erwachte und rief mit schwacher Stimme: „Mutter, geh nicht."
Þóra ging zu ihm, deckte ihn zu und küsste ihn auf die Stirn. „Manchmal kehrt die Hilfe zu dem heim, der sie gibt", sagte sie.
Sie warf sich ein Tuch über, steckte ein Stück Brot in die Tasche und folgte dem Mann hinaus in die Nacht.
Sie stiegen den Hang hinauf. Der Schnee reichte Þóra bis zu den Waden, doch der Mann ging leicht, als berühre er kaum den Boden. Endlich kamen sie zu einem großen Stein, den Þóra oft von der Heimwiese aus gesehen hatte. Der Mann legte die Hand darauf, und der Stein öffnete sich wie eine Tür.
Innen war keine dunkle Höhle, sondern ein warmes Haus. Die Wände glitzerten, als sei Licht im Gestein verborgen. Dort lag eine Frau auf einem Bett, bleich und erschöpft, und um sie standen Elfenfrauen mit Sorge in den Augen.
„Sie ist gekommen", sagte der Mann.
Þóra machte sich sogleich an die Arbeit. Sie bat um Wasser, saubere Tücher und Licht. Sie sprach sanft mit der Frau, hielt ihre Hand und ließ niemanden verzagen. Die Nacht war lang, doch bevor sie zu Ende war, kam ein Kind zur Welt, klein und lebendig, mit Haar weich wie Wollgras im Moor.
Die Hidden Folk atmeten auf. Die Mutter lächelte schwach. „Du hast uns großes Gutes getan", sagte sie.
Der Mann kam mit einer kleinen Schachtel zu Þóra. „Nimm dies für deine Hilfe."
Þóra öffnete die Schachtel. Darin war ein goldener Ring, glänzend und fein.
Sie schloss sie wieder und schüttelte den Kopf. „Ich kam nicht wegen Gold", sagte sie. „Gib es später deinem Kind."
Die Hidden Folk sahen einander erstaunt an. Da nahm die Mutter ein kleines Fläschchen unter dem Kissen hervor.
„Dann nimm dies", sagte sie. „Nicht als Bezahlung, sondern als Segen. Streiche einen Tropfen auf die Stirn deines Sohnes, wenn du heimkommst."
Þóra nahm das Fläschchen und dankte.
Bevor sie ging, wurde ihr Essen angeboten. Auf dem Tisch waren Brot, Butter, Fisch und Milch. Sie war hungrig nach der Nacht, doch sie erinnerte sich an alte Geschichten. Wer in den Behausungen der Hidden Folk zu viel isst, könnte den Weg nach Hause vergessen.
Sie nahm nur einen Bissen Brot und einen Schluck Milch.
„Ich habe ein Kind zu Hause", sagte sie.
Der Mann führte sie zurück zur Tür im Stein. Als sie hinaustrat, war Morgen angebrochen. Der Schnee hatte aufgehört, und der Himmel war blassrosa über den Bergen.
Þóra lief so schnell sie konnte heim. Ihr Sohn lag im Bett, heiß und bleich. Sie nahm das Fläschchen, ließ einen Tropfen auf ihren Finger fallen und strich ihn über seine Stirn.
Der Junge atmete tief. Dann schlief er.
Als er am Abend erwachte, war das Fieber verschwunden. In den folgenden Tagen wurde er kräftiger. Im Frühling lief er über die Wiese wie andere Kinder, und Þóra weinte leise, wenn niemand es sah.
Auf ihrem Hof fehlte es danach nie ganz an Nahrung. Manchmal fand sie einen Sack Mehl vor der Tür. Manchmal lag frischer Fisch auf einem Stein am Bach. Manchmal gab das alte Mutterschaf mehr, als irgendjemand begreifen konnte.
Þóra erzählte wenigen, was geschehen war. Doch wenn Leute fragten, warum sie immer eine kleine Schale Milch an den großen Stein am Hang stellte, antwortete sie: „Es ist gut, die zu erinnern, die dich erinnern."
Und noch viele Jahre danach sahen die Leute manchmal ein Licht im Stein winterzeit, weich und golden, als schliefe dort noch immer ein kleines Kind in Frieden.
